Langsam aber sicher beginnt die schöne Sommerzeit. Der ideale Zeitpunkt, um sich mit neuem Lesestoff für angenehme Sonnentage am Balkon, im Garten oder im Park einzudecken. Zwei besonders interessante Titel zu politischen Themen dürfen wir euch im folgenden präsentieren. Das Team der Sektion 10 wünscht gute Unterhaltung!


„Als der Kommunismus stürzte und mir nichts mehr heilig war“

Susanne Sohn
Löcker Verlag
300 Seiten // € 22,00  // ISBN 978-3-85409-871-3

Susanne Sohn war mit Walter Silbermayr 1990/91 Vorsitzende der KPÖ. In ihrem Buch wird die Situation und die Entwicklung der KPÖ in den entscheidenden Jahren Ende der achtziger, Anfang der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts beschrieben. Spannend wird das sukzessive Auftauchen der stalinistischen Strukturen in Ideologie, Wirtschaft und Organisation der Partei beschrieben. Noch spannender ist die damit verbundene innere Entwicklung der Autorin: sie erkennt die KPÖ als politische Sekte – „Politische Parteien sind zu Kompromissen geneigt, Weltanschauungen niemals.“ Dementsprechend wurde die Sozialdemokratie von den Kommunisten immer als Hauptfeind gesehen: „Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten!“ Schon im „Revisionismusstreit“ Ende des 19.Jahrhunderts war die Haltung von Eduard Bernstein, Karl Renner und Otto Bauer die der Verhandlung mit den bürgerlichen Kräften und den Arbeitgebern, die dann zum Erfolg der österreichischen Sozialpartnerschaft geführt hat. Anhänger der Revolution und der Diktatur des Proletariats, kurzum der Geschichtsprognosen von Marx und Lenin, mussten diesen Weg als Unterminierung und Verrat empfinden. Ein wirklich spannendes Buch, weil vieles historisch verständlich wird, sehr persönlich und stilistisch gut geschrieben.

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„Die erste Stunde Null“

Alfred Pfoser/Andreas Weigl
Residenz Verlag
360 Seiten // € 28,00 // ISBN 9783701734221

Die Autoren beschreiben zum hundertjährigen Rückblick die Gründungsjahre der österreichischen Republik 1918 bis 1922. Es ist unvorstellbar, wie sich unser Land in einem Jahrhundert verändert hat: nicht nur die schreckliche Situation am Ende des 1.Weltkrieges wird in Erinnerung gerufen – die Grenzverhandlungen, die demographischen Verschiebungen, die Hungersnot, die katastrophale wirtschaftliche Lage, die Sezessionsbestrebungen der österreichischen Bundesländer – sondern auch die Aufbrüche aus jener Zeit: die Demokratisierung der Gesellschaft, der Beginn der sozialen Maßnahmen in Wien und schließlich die Kulturkämpfe. Wer das Buch gelesen hat versteht viele Probleme und Herausforderungen der Gegenwart, insbesondere den österreichischen Föderalismus und die Schwierigkeit einer Staats- und Verwaltungsreform. Anderseits ist vieles in diesen dunklen Jahren begonnen worden, dessen Ernte erst nach dem zweiten Weltkrieg voll wirksam geworden ist und insbesondere wird klar, dass in der dunkelsten Stunde der Ursprung eines neuen österreichischen Nationalbewusstseins zu finden ist. Nicht 1848 und 1938 waren die Geburtsstunden Österreichs, sondern 1918 und 1948. Ein wichtiges Buch im Jahr 2018!

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